Alle werden satt

Predigt über Matthäus 15,32-39 zum Erntedankfest

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Diese biblische Geschichte ist die kleine Schwester der Speisung der 5000, denn hier macht Jesus „nur“ 4000 Leute satt. Die Geschichte ist deshalb auch nicht so bekannt wie die andere. Aber es lohnt sich, dass wir uns näher mit ihr be­schäftigen.

Ganz wichtig ist der allererste Satz, den Jesus sagt: „Diese Menschen tun mir leid.“ Viele Kranke, Arme und Benach­teiligte sind zu ihm gekommen und hoffen auf seine Hilfe. Schon drei Tage lange hat er sich um sie gekümmert: Er heilte die Kranken, tröstete die Traurigen und machten allen Hoffnung auf das Himmelreich. Zuletzt tun sie ihm auch deswegen leid, weil sie Hunger haben. Ihre mit­gebrachten Lebensmittel sind fast auf­gebraucht, und man kann sich in dieser Gegend kein Essen besorgen. Alle Menschen tun Jesus leid, denn er kennt sie alle ganz genau und weiß was ihnen fehlt. Alle Menschen tun Jesus leid, denn sie sind ihm nicht egal, sondern er hat jeden Einzelnen lieb. Ja, das ist etwas ganz Wichtiges, was wir von Jesus wissen sollen: Er kennt auch dich und mich, er hat auch dich und mich lieb. Wir sind ihm nicht egal, unsere Sorgen lassen ihn nicht kalt. Auch wir tun ihm leid, ganz gleich, was für Nöte und Probleme wir haben. Jesus tun die vielen Menschen aber nicht nur einfach leid, sondern er wird auch aktiv für sie. Er will ihnen helfen, und er kann das auch. Zwar hat er nur sieben Brote und ein paar kleine Fische zur Verfügung, aber das hindert ihn nicht. Er ist ja der eingeborene Sohn des allmächtigen Vaters im Himmel. So tut Jesus ein Speisungs­wunder. In drei Schritten tut er es, und jeder einzelne hat eine Botschaft für uns.

Der erste Schritt heißt Abwarten. Die Leute sollen sich hinsetzen. Natürlich gibt es da keine Camping­stühle oder Bierzelt-Garnituren, aber die Leute können es sich auf dem Boden bequem machen. Sie sollen sich schon mal so lagern, also ob es gleich was zu essen gibt. Und dann sollen sie abwarten und darauf vertrauen, dass Jesus ihnen auch wirklich etwas serviert. Das müssen wir immer wieder lernen: Abwarten, beten und darauf vertrauen, dass Jesus uns hilft. Manchmal lässt er sich Zeit, und es können sich Zweifel einstellen: Kann er uns vielleicht nicht helfen? Will er uns vielleicht nicht helfen? Da heißt es dann einfach: Abwarten und auf seine Hilfe hoffen. Solches Abwarten ist ein wesentlicher Teil unseres Glaubens.

Der zweite Schritt heißt Danken. Als sich die Leute nieder­gelassen haben, nimmt Jesus die paar Lebensmittel und spricht über ihnen ein Dankgebet. Damit sind wir beim Thema des Erntedank­fests: Gott möchte, dass wir unser tägliches Brot mit Danksagung empfangen, egal ob es üppig oder kärglich ausfällt. Jesus hat uns das vorgemacht, und für die Gläubigen aller Zeiten war es selbst­verständ­lich: Immer wenn wir eine Mahlzeit einnehmen, wollen wir Gott danken. Nun leben wir in einer Zeit und in einem Land, wo unser tägliches Brot besonders üppig und abwechslungs­reich ausfällt. Da liegt es nahe, dass wir Gott auch besonders üppig danken. Aber leider ist das nicht so, im Gegenteil: Immer mehr Zeitgenossen nehmen ihre Mahlzeiten ohne Dankgebet ein, darunter auch viele, die sich Christen nennen. Lasst uns doch das Erntedank­fest zum Anlass nehmen, diese schöne Sitte wieder mit neuem Leben zu füllen! Weil wir gut und reichlich essen, lasst uns ihm auch dafür danken – so, wie Jesus selbst es vorgemacht hat.

Der dritte Schritt heißt Verteilen. Jesus bricht die Brotfladen in Stücke und lässt seine Jünger sie austeilen. Es ist bemerkens­wert, dass er nicht selbst herumgeht und den Leuten das Brot bringt. Das ist keineswegs Faulheit, sondern damit will er uns etwas lehren: Wenn Gott hilft und das tägliche Brot beschert, dann möchte er dabei Menschen zu seinen Mithelfern machen. Es kommt zwar alles von ihm her, aber es geht durch menschliche Hände. Ich denke da an die Landwirte und alle, die mit ihrer Hände Arbeit das tägliche Brot verdienen. Ich denke auch an Bäcker und Köche und Hausfrauen. Und ich denke daran, dass wir alle aufgefordert sind, von unserem Reichtum denen abzugeben, die nicht die Chance haben, sich das tägliche Brot selbst zu erarbeiten. Das Hunger­problem in der Welt ist eigentlich ein Verteilungs­problem, denn Gott lässt genug wachsen, dass sieben Milliarden Menschen davon satt werden können. Jesus hat seine Jünger damals auf­gefordert, die Brotstücke zu verteilen. Damit hat er gezeigt: Wir sollen als seine Jünger zum Teilen und Abgeben bereit sein. Am Ende machen die Jünger die beglückende Erfahrung: Wir brauchen keine Angst zu haben, dass nicht genug da ist, denn es ist immer noch reichlich übrig – sieben Körbe voll!

Nach dem Wunder heißt es: „Alle hatten zu essen und wurden satt.“ So schenkt Jesus es uns auch heute: Wir alle haben zu essen und werden satt. Das gilt nicht nur für das tägliche Brot und die schönen Erntegaben, die wir hier sehen. Das gilt auch für das Lebensbrot, also für unsere geistliche Nahrung. Jesus selbst ist das Lebensbrot. Wir empfangen es durch sein Wort, wie es immer wieder neu vorgelesen und verkündigt wird. Lasst uns auch dieses Lebensbrot immer wieder begierig erwarten, mit Danksagung annehmen und mit anderen teilen. Denn dieses Lebensbrot schenkt uns nicht nur zeitliches Leben und nicht nur Gesundheit für den Leib, sondern ewiges Leben im Himmelreich. Amen.

Diese Predigt wurde erstmals gehalten im Jahre 2017.

Autor: Pastor Matthias Krieser

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