Keine Sorge, Gottes Geist ist da

Predigt über Lukas 12,11-12 zum Sonntag Exaudi

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Gott sei Dank leben wir nicht in den Zeiten der Inquisition, als Menschen wegen ihres Bekennt­nisses zum Evangelium festgenommen und von Religions­behörden verhört wurden. Und Gott sei Dank leben wir auch nicht in einem Land mit Christen­verfolgung, wo Menschen wegen ihres Glaubens abgeführt und vor Gericht gestellt werden. Trotzdem: Jeder von uns kann schnell in eine Situation geraten, wo er über seinen Glauben Rechenschaft geben soll.

Es kann zum Beispiel bei einer Familien­feier geschehen, dass jemand uns mitten im Gespräch fragt: Was sagst du denn als Christ dazu? Oder es kann sein, dass neugierige Nachbarn wissen wollen, wo wir am Sonntag­vormittag hingehen. Wenn es dann bekannt wird, dass wir sonntags normaler­weise in der Kirche sind, dann werden viele das ungewöhnlich finden, vielleicht sogar übertrieben fromm, womöglich fanatisch und sektierer­haft. Auch Arbeits­kollegen können uns nach dem Glauben fragen. Besonders schwierig ist es für christliche Schüler, wenn sie die einzigen bekennenden Christen in ihrer Klasse sind und sie deswegen zur Rede gestellt werden – manchmal mit spöttischem Unterton. Bei mir als Pfarrer ist es natürlich berufs­bedingt so, dass ich ständig Rechenschaft über mein Bekenntnis zu Christus ablegen muss. Manchmal erwarten die Leute dann, dass ich auf all ihre Gegen­argumente gegen Gott und sein Wort eingehe.

Nun könnten wir natürlich sagen: Wie schön, wenn wir Gelegenheit bekommen, ein Zeugnis für unser Herrn abzulegen! Wir sollen ja Salz der Erde und Licht der Welt sein, und wir wollen Christus vor anderen Menschen bekennen. Aber oft stellen wir uns dieser Aufgabe nicht so fröhlich, wie es eigentlich sein sollte. Das kenne ich selbst auch, obwohl es mein Beruf ist. Oft haben wir eine unbestimmte Scheu, über Glaubens­dinge zu reden. Wir haben Angst, nicht die treffenden Worte zu finden oder uns lächerlich zu machen. Und deshalb würden wir lieber schweigen, und manchmal tun wir das auch tatsächlich.

Jesus kennt dieses Problem, und er hat Verständnis dafür. Darum hat er seine Jüngern ermutigt: „Sorgt nicht, was ihr sagen sollt.“ Das klingt vertraut. Immer wieder hat Jesus seine ängstlichen und klein­gläubigen Jünger dazu auf­gefordert, sich keine Sorgen zu machen, und diese Worte gelten ebenso für uns heutige Christen. In der Bergpredigt gibt es einen langen Anti-Sorgen-Teil; da heißt es unter anderem: „Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet“ (Matth. 6,25). Und der Apostel Petrus, der damals offenbar gut zugehört hatte, gab später selbst den Rat: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7). Und der Apostel Paulus schrieb den Philippern: „Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden“ (Phil. 4,6). Um nichts – also auch nicht um den nötigen Mut und die richtigen Worte, wenn wir über unseren Glauben Rechenschaft ablegen sollen.

Zweierlei will Christus bei uns erreichen, wenn er uns zum Nicht-Sorgen aufruft: Erstens ermahnt er uns damit, mutig zu sein und nicht zu kneifen, wenn wir die Gelegenheit für ein Glaubens­zeugnis haben. Und wenn wir dann mit Zittern und Zagen dazu bereit sind, spenden uns diese Worte zweitens auch Trost: Nur keine Angst, macht euch keine Sorgen um die richtigen Worte, die werden schon kommen!

Christus hat auch erklärt, warum die richtigen Worte kommen werden: „Der Heilige Geist wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen sollt.“ Ach, wie oft habe ich dass schon erlebt! Oft war ich vor einem anstehenden Seelsorge-Gespräch unsicher, was ich denn sagen soll, wie ich am besten Zeugnis geben, mahnen und trösten kann. Hinterher konnte ich dann erleichtert beten: Danke, Heiliger Geist, dass du mir geholfen hast; ich habe gemerkt, wie du mir im rechten Augenblick die richtigen Worte geschenkt hast. Ja, in dieser Zuversicht sollen wir unseren Glauben bezeugen, wenn es nötig ist: Gottes Geist wird schon durch uns reden. Das muss nicht unbedingt mit den korrekten christlichen Fach­begriffen geschehen oder mit rhetorisch wohl­geformten Sätzen, das kann durchaus auch mal ein unbeholfenes Stammeln sein. Hauptsache, Gottes Botschaft kommt ’rüber, und die anderen merken: Das ist nicht irgend­welches angelernte Konfirmanden­wissen, sondern das kommt von Herzens­grund.

Jesus will mit dieser Begründung allerdings nicht sagen, dass wir uns auf solche Gespräche nicht vorbereiten sollten. Es ist keineswegs verkehrt, sich auf Glaubens­gespräche vorher einzustellen und sie auch einzuüben. Zu diesem Thema sind unzählige Bücher geschrieben worden, und es gibt eine ganze Reihe von Glaubens­kursen und Jünger­schulungen, die darauf eingehen. Manches davon ist allerdings weniger wertvoll. Es bringt zum Beispiel nicht viel, wenn man irgendwelche missio­narischen Text­bausteine auswendig lernt und sich dann krampfhaft bemüht, sie irgendwie in ein Gespräch einzubauen. Wichtiger ist es für unsere Vor­bereitung, dass wir dem Heiligen Geist selbst Raum geben, Predigten hören, in der Bibel lesen, mit anderen über die Bibel sprechen, aus der Kraft der Sünden­vergebung und mit dem Heiligen Abendmahl leben. Ja, dabei kommt der Geist zu uns, da werden wir am besten vorbereitet, über unseren Glauben Rechenschaft abzulegen. Die Bitte um den Heiligen Geist ist ebenfalls wichtig. Und natürlich sollten wir jede Gelegenheit zum Üben nutzen, also zu Gesprächen mit Nicht­christen über den Glauben. Wenn jemand Flöte lernen will, dann reicht es ja auch nicht, Bücher übers Flötespielen zu lesen, sondern dann muss man die Flöte schon wirklich in die Hand nehmen und hinein­blasen. So sinnvoll eine gute Vorbereitung auch ist: Wir sollten nicht meinen, dass Glaubens­gespräche nur gelingen könnten, wenn wir ent­sprechende Schulungen absolviert haben. Jesu Wort gilt unbedingt und ermutigt uns, auch ganz spontan im Vertrauen auf den Heiligen Gottes gute Nachricht in Worte zu kleiden: „Sorgt nicht, was ihr sagen sollt, denn der Heilige Geist wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen sollt.“

Gott sei Dank wird uns niemand aus den Worten unseres Glaubens­zeugnisses eine Strick drehen. Gott sei Dank leben wir nicht in den Zeiten der Inquisition, als Menschen wegen ihres Glaubens festgenommen und von Religions­behörden verhört wurden. Und Gott sei Dank leben wir nicht in einem Land mit Christen­verfolgung, wo Menschen wegen ihres Glaubens abgeführt und vor Gericht gestellt werden. Allerdings garantiert uns niemand, dass das in Zukunft so bleiben wird, auch Gott nicht. Aber selbst wenn es einmal so weit kommen sollte: Keine Sorge, Gottes Geist ist ja da! Amen.

Autor: Pastor Matthias Krieser

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