Von Jesus geheilt

Predigt über Matthäus 15,29-31 zu einer Beerdigung

Liebe Trauergemeinde!

Sicher gäbe es viel zu sagen über die Verstorbene, und sicher könntet ihr mit euren Erinnerungen viel dazu beitragen. Sicher gäbe es viel zu erzählen über ihre Jugend in Schlesien, über eine schrecklich Flucht, über ihre Ehe sowie auch über ihren Dienst an der Familie und an anderen Menschen. Ich selbst weiß darüber allerdings wenig, denn ich habe sie erst im hohen Alter kennen­gelernt und nur hin und wieder besucht. Aber eine wichtige Sache habe ich dabei erfahren, eine wichtige Eigenschaft muss ich von ihr berichten: Sie kannte Jesus Christus und hat ihm vertraut. Eigentlich ist dies das Schönste und Wichtigste, was man von einem Menschen sagen kann: Er kannte Jesus und hat ihm vertraut. Darum möchte ich jetzt anhand des verlesenen Bibelworts vor allem von Jesus Christus reden. Ich möchte darüber sprechen, was er für die Verstorbene getan hat und was er auch für uns tut. Darin liegt der größte Trost in Traurigkeit und die größte Hoffnung im Angesicht des Todes.

Zunächst heißt es in unserem Bibelwort: „Jesus kam.“ Das gilt nicht nur in Bezug auf die Situation damals am See Genezareth, sondern das gilt in Bezug auf die ganze Welt: Gottes Sohn kam in die Welt, die durch ihn geschaffen wurde. Er wurde uns Menschen­geschöpfen gleich, um uns zu erlösen. Er lebte und lachte, fühlte und dachte wie du und ich – und wie unsere liebe Verstorbene. Ja, auch für sie kam er.

„Jesus setzte sich auf einen Berg“, heißt es dann. Auch das können wir im übertragenen Sinn deuten: Einen Berg kann man nicht übersehen. Jesus versteckt sich nicht. Jeder, der will, kann zu ihm kommen. Unsere Verstorbene hat das immer wieder gern getan. Als es ihr gesundheit­lich noch möglich war, kam sie in sonntags in den Gottes­dienst. Sie wusste: Hier ist Jesus für mich da, hier spricht er zu mir, hier lädt er mich an seinen Tisch zum Heiligen Abendmahl. Und als das nicht mehr möglich war, habe ich Jesus zu ihr gebracht: Wir haben Andachten gehalten, auf sein Wort in der Bibel gehört, gesungen und gebetet. Jesus versteckt sich nicht, sondern wir können ihn finden – immer wieder. Folgen wir dem Beispiel der Verstorbenen und tun wirs!

Und dann lesen wir weiter: „Es kam eine große Menge zu ihm, die hatten bei sich Gelähmte, Ver­krüppelte, Blinde, Stumme und viele andere Kranke und legten sie Jesus vor die Füße.“ Da sehe ich im Geiste auch unsere liebe Verstorbene, wie sie im Rollstuhl zu Jesus geschoben wird. Gerade solche Menschen hat er ja zu sich gerufen: Mühselige und Beladene, Kranke und Traurige, Behinderte und Belastete. Und wer von uns ist das nicht in der einen oder anderen Weise? Am meisten belastet uns das, was die Bibel „Sünde“ nennt: Unsere Entfremdung von Gott, die dann auch Entfremdung, Leid und Schuld unter den Mitmenschen nach sich zieht. Wie oft mag die Verstorbene bei Jesus ihr Herz aus­geschüttet haben im Gebet! Und auch wir tun gut daran, wenn wir unsere heutige Trauer und überhaupt unsere eigene Not nicht stolz oder verschämt ver­schweigen, sondern sie zum Herrn Jesus bringen.

Nun kommt ein ganz kurzer Satz, aber er ist der schönste: „Und er heilte sie.“ Dazu ist Jesus in die Welt gekommen, dazu lässt er sich finden, dazu ruft er die Mühseligen und Beladenen zu sich: Um zu heilen. Er ist der Heiland, er will alle gesund machen. Dafür hat er sich aufgeopfert. Mit seinem Sterben am Kreuz hat er alle Krankheit, Not und Sünde der Welt auf sich geladen und uns so entlastet. Unserer lieben Verstorbenen hat er es in der Heiligen Taufe persönlich zugeeignet, so wie er es bei allen Getauften getan hat. Freilich zeigt sich diese Heilung hier auf Erden noch nicht vollständig. Vor allem der alternde Leib, aber auch die Seele sind noch mit mancherlei Leiden geplagt. Aber die Sündenschuld ist weg, die Entfremdung von Gott ist überwunden. Da wird dann nach und nach ebenso alles andere heil – schließlich auch der alte, schwache, kranke Leib. Wir tragen den Leib unserer Verstorbenen zu Grabe in der fröhlichen Hoffnung, dass er mit neuer Herrlichkeit zum ewigen Leben auferstehen wird. Da wird sie dann keinen Rollstuhl mehr brauchen, und auch sonst wird sie vollkommen geheilt sein, in jeder Beziehung. Ja, jeder, der sich von Jesus heilen lässt, wird einmal vollkommen geheilt sein.

Wir lesen weiter: „Das Volk verwunderte sich.“ Kein Wunder, dass die sich wundern, denn das widerspricht ja aller menschlichen Erfahrung. Und wenn jemand gestorben ist, dann sagt diese menschliche Erfahrung: Das ist jetzt das Ende. Lasst uns aber nicht so sprechen, sondern lasst uns auf den Heiland hören und uns über seine Wunder wundern – ja vielmehr freuen: Wenn er einen Menschen heilt, dann ist das nicht das Ende, sondern der Anfang von einem neuen Leben. Das gilt über den Tod hinaus, denn Jesus hat dem Tod seine Macht genommen.

Und schließlich heißt es: „Sie priesen Gott.“ Das ist unser Lebenssinn: Gott loben und preisen. Wir können ihn auch heute dankbar loben und preisen, trotz aller Trauer. Lasst uns ihm danken für diese Frau, von der wir heute Abschied nehmen und die uns ein mehr oder weniger langes Stück auf unserem Lebensweg begleitet hat. Lasst uns ihm danken für alles Gute, das wir durch sie erfahren durften. Lasst uns ihm vor allem danken, dass er sie in der Taufe zu Gottes Kind gemacht hat, dass er sie erlöst und geheilt hat. Und lasst uns ihm danken, dass er dasselbe Heil auch uns schenken will. Amen.

Diese Predigt wurde erstmals gehalten im Jahre 2017.

Autor: Pastor Matthias Krieser

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