Kleine Pforte, schmaler Weg

Predigt über Matthäus 7,13‑14 zum Sonntag Jubilate und zu einer Konfirmation

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Junge Leute sind neugierig auf mehr Leben. Das Nest der Familie wird ihnen zu eng, der Schulalltag ödet sie an. Mit gleich­altrigen Freunden dagegen haben sie viel Spaß. Sie träumen von einem bunten, schönen, prall gefüllten Leben in der Zukunft. Nicht, dass sie ein faules Luxusleben führen wollen. Nein, viele junge Leute möchten sich einbringen, etwas leisten, Gutes tun. Und natürlich suchen sie Freunde und An­erkennung. Ein bisschen Angst mischt sich manchmal unter diesen Lebens­hunger: Was kommt da auf mich zu in dieser bunten Welt mit all ihren Freuden, Ver­lockungen und Schrecken? Viel Lebens­hunger, ein bisschen Angst – auf alle Fälle sind junge Leute neugierig auf mehr Leben.

Jesus hat einmal einen langen Vortrag gehalten für lebens­hungrige junge Leute; das waren seine Jünger. Diese Rede ist unter dem Namen „Berg­predigt“ bekannt und steht im Matthäus­evangelium. Am Ende dieser Rede findet sich die Sache mit der Pforte und dem Weg, von der wir eben im Predigttext gehört haben. Lasst mich das jetzt ein bisschen aus­schmücken.

Stell dir vor, du stehst vor einer Grundstücks­mauer. Sie ist so hoch, dass man nicht sehen kann, was dahinter liegt. Du vermutest, dass dahinter das liegt, wonach du dich sehnst: mehr Leben. In der Mauer sind zwei Pforten, eine große und eine kleine. Die große Pforte ist so hoch und breit, dass ein LKW durchpassen würde. Sie ist bunt bemalt und mit Lichter­ketten verziert. Über dem Eingang blinkt mit großen Buchstaben eine Leucht­reklame: „Leben“. Gut aussehende junge Leute strömen lachend durch die große Pforte. Einige von ihnen zwinkern dir zu, winken oder rufen: Komm doch mit! Bei der kleine Pforte ist nicht so viel Betrieb. Sie ist nicht größer als der Durchgang von unserer Kirche in den Gemeinde­saal; man muss den Kopf einziehen, wenn man da durch will. Die Pforte ist alt und unschein­bar; der Putz bröckelt schon. Über die Pforte hat jemand unbeholfen die Buchstaben gekritzelt: „Leben“. Kaum jemand beachtet die kleine Pforte; nur ab und zu wagt jemand, hier durch­zugehen. Auch von den Benutzern der kleinen Pforte ruft dir mancher zu: Komm doch mit! Du bist neugierig auf mehr Leben und fragst dich, welche Pforte du wohl benutzen sollst. Da sagt dir Jesus: Benutze die kleine, denn sie führt zum Leben! Du antwortest: Ja, das steht ja darüber; aber auch über der großen Pforte steht „Leben“. Jesus erwidert: Das ist gelogen. Die große Pforte führt nicht zum Leben, sondern zur Verdammnis. Da erschrickst du.

Liebe Gemeinde, machen wir uns nichts vor: Jesus hat nicht ver­sprochen, dass alle Menschen in den Himmel kommen. Vielmehr hat er unmissver­ständlich von der Verdammnis geredet, von der ewigen, endgültigen und ent­setzlichen Gottes­ferne. Dahin führt die große Pforte, hat er gesagt. Die große Pforte ist die Pforte des Unglaubens. Da gehen die Leute durch, denen Gott nicht wichtig ist. Da gehen die Leute durch, die ihren ganzen Lebens­hunger hier in dieser Welt stillen wollen. Da gehen die Leute durch, denen Geld und Macht und Ansehen und Spaß am wichtigsten sind. Wer aber wirklich gut leben will, der muss durch die kleine Pforte gehen. Die kleine Pforte ist der Glaube an Jesus Christus. Jesus sagte: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden“ (Joh. 10,9). Nur diese Pforte führt zur Gemein­schaft mit dem lebendigen Gott und zum ewigen Leben. Wer da durchgeht, der muss sich allerdings bücken, klein machen, demütig werden. Wer da durchgeht, muss einsehen, dass er ein Sünder ist, der nur durch Gottes Gnade und durch das Opfer von Jesus am Kreuz selig wird. Wer da durchgeht, muss sein großes Gepäck zurück­lassen: seine Selbst­gerechtig­keit, seine hohen Ansprüche, seine Habgier.

Liebe Konfir­manden, ihr bekennt heute vor Gott und der Gemeinde euren Glauben an Jesus Christus. Ihr bekennt damit: Ich gehe durch die kleine Pforte, die wirklich zum Leben führt. Etwas Besseres kann euch nicht passieren. Habt ihr Sehnsucht nach mehr Leben, gutem Leben und ewigem Leben, dann seid ihr hier genau richtig – an der engen Pforte des Glaubens.

Allerdings werdet ihr merken, dass ihr hinter dieser Pforte noch nicht gleich am Ziel seid. Es ist gut, einmal getauft zu werden; es ist gut, sich einmal konfir­mieren zu lassen und dabei öffentlich den christ­lichen Glauben zu bekennen; aber damit ist man noch nicht im Himmel. Vielmehr geht man nun auf einem Weg, wo sich dieser Glaube immer wieder bewähren muss. Das Ziel liegt erst am Ende des Weges. Dieser Weg ist ein schmaler Pfad. Wenn ihr auf ihm geht, dann seht ihr, dass von der großen Pforte auch ein Weg weitergeht. Es ist ein breiter und bequemer Weg. Auf ihm gehen viele Leute scheinbar mühelos und lustig durchs Leben. Auf unserem schmalen Pfad des Glaubens sind nur wenige unterwegs, und der Weg wird ihnen nicht leicht. Liebe Eltern, liebe Paten und alle älteren Mit­christen, ich bitte euch: Versteckt euch nicht auf dem schmalen Pfad, damit die Konfir­manden auf diesem Weg wenigstens ein paar gute Vorbilder haben. Es ist in der heutigen Zeit ohnehin schwer genug, auf diesem Pfad zu bleiben und nicht einfach hinüber­zuwechseln zu dem breiten Weg mit den lustigen Leuten. Liebe ältere Christen, zeigt doch den jungen Christen, dass man auch auf dem schmalen Pfad der Christus­nachfolge lustig sein kann! Helft mit, dass unsere Gottes­dienste fröhlich sind! Macht den jungen Leuten Mut für unsere christ­lichen Jugend­veranstal­tungen! Lebt ihnen im Alltag vor, was es heißt, im Vertrauen auf den Herrn Jesus Christus zu leben! Vergesst nicht: Es steht viel auf dem Spiel. Jesus sagte: Der breite Weg führt zur Verdammnis, nur der schmale Weg führt zum Leben. Auch sagte er: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Joh. 14,6).

Ja, Jesus lädt alle ein: „Geht hinein durch die enge Pforte!“ Seid so mutig, tretet auf den schmalen Weg des christ­lichen Glaubens und bleibt auf ihm! Lasst euch nicht verführen von der Schönheit der großen Pforte und von der Bequemlich­keit des breiten Weges! Lasst euch nicht irremachen von der Tatsache, dass die Mehrheit die große Pforte und den breiten Weg wählt! Schon in den Fragen dieser Welt zeigt sich immer wieder, dass auch Mehrheiten irren können; in Glaubens­fragen aber sind wir völlig darauf angewiesen, dass wir uns von Gottes Wort leiten lassen. Gottes Wort sagt klar und deutlich, dass es nur diese eine Pforte und diesen einen Weg zum Leben gibt, nämlich die kleine Pforte und den schmalen Weg des Glaubens an Jesus Christus. Einen besseren Weg kann man nirgends finden. Amen.

Diese Predigt wurde erstmals gehalten im Jahre 2012.

Autor: Pastor Matthias Krieser

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