Jesu Taufe

Predigt über Matthäus 3,13-17 zum 1. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Am Heiligen Abend wurde wieder bei uns das traditionelle Krippenspiel aufgeführt. Man könnte auch andere biblische Geschichten in der Kirche nachspielen und damit lebendig werden lassen, zum Beispiel die Taufe Jesu. Wir wollen jetzt einmal überlegen, was man dazu alles brauchte.

Als erstes brauchen wir den Fluss Jordan. Das Wichtigste am Jordan ist das Wasser. Taufen geht nur mit Wasser, darum brauchen wir Wasser, um Jesu Taufe zu spielen, vielleicht in einem Eimer oder in einer Schüssel. Auch wenn wir hier in der Kirche einen Menschen richtig taufen, geht es nicht ohne Wasser. Warum ist Wasser so wichtig beim Taufen? Da könnte man viele gute Gründe finden: Mit Wasser kann man sich waschen, und so wäscht das Taufwasser den Schmutz der Sünde ab. Wasser bedeutet Leben; ohne Wasser würden alle Lebewesen sterben: die Pflanzen, die Tiere und auch wir Menschen. Das Taufwasser bedeutet Leben mit Gott und ewiges Leben. Mit Wasser kann man ein Feuer löschen, und so löscht das Taufwasser das Feuer der Hölle für den Getauften. Wasser erfrischt, und so macht Gott einen Menschen durch die Taufe frisch und neu. Aber wichtiger als all diese Überlegungen ist ein anderer Grund, warum wir ohne Wasser nicht taufen können: Gott will es so, Gott hat es so geboten! Er will, dass ein Mensch mit normalem Wasser gewaschen und dabei Gottes Wort gesagt wird, dann ist es eine Taufe, dann ist es Gottes Tun, dann vergibt Gott damit die Sünden und schenkt einem Menschen neues Leben.

Als zweites brauchen wir einen Johannes. Der muss einen Mantel aus Kamelhaaren tragen und einen Gürtel, wie es an anderer Stelle in der Bibel heißt. Und er darf nicht zu dick sein. Johannes hat nämlich in der Wüstengegend am Jordan gelebt, und da fand er nicht viel zu essen. Es heißt, er habe hauptsächlich wilden Honig gegessen und Heuschrecken. Aber warum hat sich Johannes an so einem Ort aufgehalten? Wieder lautet die Antwort: Gott wollte es so, Gott hat ihm den Auftrag dazu gegeben. Er sollte in der Wüste zu all den Menschen predigen, die da durchreisten, damit sie ihre Sünden bereuen und sich taufen lassen. Auf diese Weise sollte er sie darauf vorbereiten, dass sehr bald der versprochene König kommt, der Erlöser, auf den das Volk Israel schon viele hundert Jahre lang gewartet hatte.

Als drittes brauchen wir dann diesen Erlöser-König selbst; das ist Jesus. Wenn wir die Geschichte spielen, dann muss Jesus auf Johannes zugehen und zu ihm sagen: Du, Johannes, ich will von dir getauft werden! Und der Johannes muss dann ganz erschreckt tun, so, als ob er das überhaupt nicht kapieren kann. Wieso will denn Jesus getauft werden? Der ist doch selbst der Erlöser! Der ist doch Gottes Sohn! Der braucht doch überhaupt nicht getauft zu werden, bei dem brauchen doch überhaupt keine Sünden abgewaschen zu werden, der hat doch überhaupt keine Sünde! Ja, so muss Jesus aussehen in dem Spiel: Wie einer, der keine Sünden hat. Ganz freundlich muss er aussehen, wie einer, der alle Menschen lieb hat. Und ganz sorglos muss er aussehen, wie einer, der immer dem Vater im Himmel vertraut. Johannes muss ihm dann sagen: Ich hätte es nötig, dass du mich taufst; warum willst du denn von mir getauft werden? Und dann müsste der, der den Jesus spielt, sich genau den Satz merken, den Jesus da gesagt hat; es ist ein schwieriger Satz, aber er ist wichtig: „Lass es jetzt so geschehen, denn so muss alle Gerechtigkeit erfüllt werden.“ „Gerechtigkeit“ meint hier: das, was richtig ist, also was Gott so haben will. Jesus sagt praktisch: Der Vater im Himmel will es so haben, dass du mich taufst, frag nicht weiter!

Jetzt könnten wir natürlich einfach sagen: Gut, wenn der Vater im Himmel das so haben wollte, dann musste es eben geschehen, da braucht man dann gar nicht viel drüber nachzudenken. Es ist ebenso, wie wenn heute noch Kinder und auch Erwachsene getauft werden: Gott will es so haben, er will mit Wasser und Wort Menschen zu seinen Kindern machen, da gibt es nichts zu verstehen, da muss man einfach Gott gehorchen. Aber wenn man an anderen Stellen in der Bibel nachschaut, dann kann man doch erkennen, wozu Johannes Jesus taufen sollte. Die Taufe von Jesus wird da nämlich als eine „Salbung“ bezeichnet. Brauchen wir also auch Salbe, wenn wir die Taufe Jesu spielen sollen? Nein, denn Johannes der Täufe hat Jesus ja auch nicht Salbe getauft. Aber das Wasser, mit dem er getauft hat, das hat die Salbe vertreten. Oder eigentlich das Salböl. Lange bevor Jesus geboren wurde, sind bestimmte Leute in Israel mit Öl gesalbt worden. Es waren Leute, die eine wichtige Aufgabe bekommen haben. Da hatten sie Gottes Hilfe nötig. Und da hat ein Priester sie mit Salböl übergossen und sie auf diese Weise für die Aufgabe gesegnet. So hat man es gemacht, wenn jemand König wurde in Israel, oder wenn ein neuer Priester in sein Amt eingeführt wurde. Auch Propheten wurden manchmal durch so eine Salbung auf ihren Dienst vorbereitet. Und so bedeutet die Taufe von Jesus vor allem: da hat sein großes Amt angefangen, dass er nun predigen soll und heilen und Wunder tun und schließlich am Kreuz alle Menschen erlösen. Jesus ist damit ein ganz besonderer König geworden, und zugleich ein ganz besonderer Priester und ein ganz besonderer Prophet. Er ist der König, Priester und Prophet geworden, auf den man in Israel schon lange gewartet hatte, und man hatte ihn immer nur genannt: „der Messias“ oder „der Christus“, zu deutsch: „der Gesalbte“. Jesus brauchte nicht zur Vergebung der Sünden getauft zu werden, er hat ja nie etwas Böses gemacht. Aber um für sein Amt gesalbt zu werden, dazu musste Johannes ihn taufen.

Die Hauptsache haben wir nun: das Wasser, den Johannes, und Jesus, den Christus, den „Gesalbten“. Damit könnte man die Taufe Jesu schon darstellen. Aber unmittelbar nach der Taufe ist ja noch etwas passiert, das direkt dazu gehört. Um das darzustellen, bräuchten wir noch eine Taube. Es heißt ja, dass Gottes Heiliger Geist als Taube erschien und zu Jesus flog. Das lässt sich allerdings sehr schwer darstellen. Wir könnten kaum eine dressierte Taube auftreiben, die im richtigen Moment durch die Kirche fliegt und sich dem Jesus-Darsteller auf den Kopf oder auf die Schulter setzt. Man könnte höchstens versuchen, eine Plastik-Taube zu finden und die an einem dünnen Faden von der Kirchendecke herablassen, aber das wäre auch nicht ganz einfach vorzubereiten. Wir merken: Mit dem Heiligen Geist ist das schwierig. Genau das sagt uns auch die Bibel: Man kann den Heiligen Geist nicht einfangen und nicht dressieren, man kann ihn nur da finden, wo Gott ihn schenkt. Der Heilige Geist ist auch nicht an eine bestimmte Form gebunden, er kann als Taube kommen oder als Wind oder als Feuerflamme oder auch, wie meistens, völlig unsichtbar. Aber das Schöne ist: Gott hat uns trotzdem versprochen, dass der Geist zu uns kommt, wie er damals zu Jesus gekommen ist. Der Geist kommt überall da, wo getauft wird, wo Sünden vergeben werden, wo Gottes Wort gepredigt wird, wo das Heilige Abendmahl gefeiert wird und wo gesegnet wird. Der Heilige Geist ist nur da, wo Gott es will, aber Gott will, dass er hier bei uns Christen zu finden ist, hier in der Kirche, wo wir uns in Gottes Namen versammeln. Wenn wir getauft sind und immer wieder im Gottesdienst zusammenkommen, dann dürfen wir wissen: Der Heilige Geist kommt zu uns, wie er damals zu Jesus gekommen ist, nur dass wir keine Taube sehen.

Als letztes brauchen wir schließlich noch eine Stimme, um die Geschichte zu spielen. Es ist die Stimme des himmlischen Vaters. Sie muss aus dem „Off“ kommen, wie es in der Theatersprache heißt; das bedeutet: Man sieht den nicht, der da spricht. Auch bei der richtigen Taufe Jesu vor 2000 Jahren hat man Gott den Vater nicht gesehen, sondern nur seine Stimme gehört. Gott will ja auch nicht, dass wir uns ein Bild von ihm machen, also dass wir ihn mit einem bestimmten Aussehen verbinden. Und diese göttliche Stimme sagt über Jesus: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Das Wort „Wohlgefallen“ kommt uns hoffentlich bekannt vor. Es kommt nämlich auch in der Weihnachtsgeschichte vor, und darum auch in jedem richtigen Krippenspiel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ (Lukas 2,14), so sangen die Engel in der Heiligen Nacht. Und Gottes Stimme vom Himmel sagte bei Jesu Taufe: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Damit bezeugte der Vater im Himmel: Dieser Jesus ist der Heiland, der damals in Bethlehem zur Welt gekommen ist. Der ist mein Christus, mein Erlöser für die Welt! Und er ist mehr als jeder König, Priester und Prophet, die irgendwann einmal gesalbt wurden. Er ist mein eingeborener Sohn, den ich lieb habe, an dem ich Wohlgefallen habe. Durch ihn kommt mein Wohlgefallen zu allen Menschen, und alle Menschen können durch ihn meine Söhne und Töchter werden, wenn sie nur getauft sind und an Jesus glauben!

Diese Stimme Gottes am Ende der Geschichte ist das Wichtigste von der ganzen Taufe Jesu. Denn diese Stimme gibt uns Gewissheit, dass wir bei Jesus an der richtigen Adresse sind und dass wir mit ihm Gottes Wohlgefallen finden. So ist ja die Stimme, das Wort Gottes überhaupt das Wichtigste in der Kirche und im ganzen Christenleben. Ohne diese Stimme, ohne dieses Wort wüssten wir gar nicht, wie wir leben sollten und was wir glauben sollten. Aber nun wird dieses Wort jeden Sonntag in der Kirche gepredigt, und wir können es auch in der Bibel nachlesen. Natürlich kann man es ab und zu auch mal nachspielen, sei es als Krippenspiel oder als eine andere Geschichte. Aber darauf kommt es letztlich gar nicht an. Das Wichtigste ist und bleibt, dass Gottes Stimme hörbar wird und dass wir auch aufmerksam zuhören. Denn was Gott uns zu sagen hat, das kann uns der klügste Mensch der Welt nicht lehren, es sei denn, er hat es selbst zuvor von Gott gehört. Amen.

Diese Predigt wurde erstmals gehalten im Jahre 2009.

Autor: Pastor Matthias Krieser

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