Grund zum Jubel für alle Kreatur

Predigt über Jesaja 49,13 zum 1. Sonntag nach Weihnachten

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Vor zweieinhalb­tausend Jahren lebte der berühmte griechische Philosoph Pythagoras. Er entwickelte eine merkwürdige wissenschaft­liche Theorie: Er behauptete, dass die Planeten Musik machen, eine herrliche, harmonische Musik. „Sphären­musik“ nannte man sie. Später hat sich dann heraus­gestellt, dass diese Theorie nicht stimmt – das ist ja das Schicksal vieler wissenschaft­licher Theorien.

Aber wenn auch die Sterne keine Musik machen, so loben sie doch Gott. Durch ihr bloßes Dasein, durch ihr Leuchten und ihr Funkeln und ihr Wandern auf fest­gelegten Bahnen ehren sie den, der sie geschaffen hat. Die Sterne, das sind die Geschöpfe des zweiten Himmels. Mit der Bibel müssen wir nämlich drei Himmel unter­scheiden: Der erste Himmel ist unsere Lufthülle mit den Wolken, der zweite Himmel ist der Sternen­himmel, der dritte Himmel aber ist Gottes ewige Welt, die wir Menschen nicht erforschen und auch mit dem besten Fernrohr nicht sehen können; sie liegt außerhalb von Raum und Zeit. In diesem dritten Himmel wohnen die Engel, und auch sie loben den all­mächtigen Gott, der sie geschaffen hat. Auch die Wolken, die am ersten Himmel entlang­ziehen, loben Gott – teils stumm, teils mit Blitz und Donner. So ehren alle drei Himmel den Schöpfer und jauchzen ihm zu, wie es in unserem Gotteswort heißt: „Jauchzet, ihr Himmel!“ – eine wunderbare „Sphären­musik“ des Gottes­lobes.

Aber es geht weiter: „Freue dich, Erde!“ Wir merken: Das Gotteslob kommt uns näher – vom dritten Himmel jenseits von Raum und Zeit über den zweiten Himmel, das Weltall, und den ersten Himmel, unsere Atmosphäre, bis hin auf die Erde. Auch da lobt alle Kreatur fröhlich Gott durch ihr bloßes Dasein: Meere und Kontinente, Felsen und Sand, Pflanzen und Tiere, alles ehrt den Schöpfer, der es so wunderbar geschaffen hat. Auch des Menschen Lebenszweck ist es, Gott mit seinem ganzen Dasein zu loben und zu ehren, und wohl kein Geschöpf hat so vielfältige Möglich­keiten dazu. Alles, was Gott geschaffen hat, vereint sich zu einem gigan­tischen Jubelchor: „Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde!“ Wenns wir's nur recht hören könnten, dann klänge es wie der Anfang des Weihnachts­oratoriums von Johann Sebastian Bach, mit Pauken und Trompeten und kräftigen Stimmen: „Jauchzet, froh­locket!“

„Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen!“, so geht es weiter im Propheten­wort. Ganz bestimmte Berge sind hier gemeint, die Berge des judäischen Berglands, die Gegend um Jerusalem. Einer dieser Berge heißt Zion. Jerusalem und Zion sind im Alten Testament Begriffe, die auf Gottes Bundesvolk Israel hinweisen, und davon abgeleitet dann im Neuen Testament Begriffe für Gottes Volk aus allen Völkern, also für die Christen­heit und Kirche. „Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen!“, das ist eine Auf­forderung, die direkt an uns Christen geht. Da sind wir nun hier bei uns angekommen, in diesem Gottes­dienst. Wenn wir hier Loblieder singen und Gott ehren, dann tun wir das nicht als kleine, schwache Schar, sondern dann tun wir es im Chor von Gottes Volk aus allen Völkern, im Chor aller Geschöpfe auf Erden, in der Luft, im Weltall und bei Gott im Himmel. Unser Singen und Loben hier, das ist ein Tropfen im Ozean des universalen Gottes­lobes.

Allerdings: Wenn Menschen loben, dann ist es stets ein an­gefochtenes Lob. Und vielleicht gibt es ja auch den einen oder anderen hier unter uns, dem das Gotteslob nicht fröhlich von den Lippen gehen will und der auch beim gerade zurück­liegenden Weihnachts­fest nicht fröhlich mitjauchzen konnte. Krankheit, Trauer, das Leiden an einer kaputten Welt, all das kann unser Gotteslob dämpfen. Auch das Volk der Juden, dem dieses Gotteswort ur­sprünglich galt, hat damals eher gejammert und geklagt als gelobt. Es ging ihnen schlecht, Jerusalem lag in Trümmern, der Tempel war verbrannt, sie mussten im Exil fremden Herren dienen. Viele von ihnen waren so traurig, dass sie nicht mehr loben und singen konnten. Sie dachten: „Jetzt hat Gott uns verlassen.“ Ebenso denken viele Menschen heute, wenn es ihnen schlecht geht oder wenn ihnen bewusst wird, wie schlecht es unserer Welt geht: „Jetzt hat Gott uns verlassen.“ Aber das stimmt nicht, das ist eine falsche Sicht der Dinge. Die Ursache für alle Not der Welt liegt nicht darin, dass Gott uns verlassen hat, sondern dass wir Menschen Gott verlassen haben. Das ist die Ur-Krankheit, das Ur-Übel, die Ursache allen Leides: die Tatsache, dass wir uns vom Schöpfer losgesagt haben. Diese Krankheit trägt den Namen Sünde. Sie ist schuld, wenn wir uns elend fühlen und von Gott verlassen.

Nun gibt es ja zwei Arten von Krank­heiten: Krank­heiten, mit denen es besser wird, und Krank­heiten, mit denen es nicht besser wird. Wenn man jung ist, dann hat man es meistens nur mit der ersten Sorte zu tun: Masern, Grippe oder einen ver­stauchten Fuß. Im Alter stellen sich dann Leiden und Krankheiten der zweiten Sorte ein. Da werden die Augen schwach, da tut der Rücken weh, da kommen Krank­heiten, die nicht wieder gehen wollen. Die Sünden­krankheit gehört nun glücklicher­weise zur ersten Sorte, zu heilbaren Sorte! Denn die gute Nachricht der Bibel lautet: Es gibt Hilfe, es gibt Heilung. Dazu ist Jesus Christus in die Welt gekommen, dass er unsere Krankheit und Schmerzen auf sich nimmt. Er ist der Retter, er ist der Heiland. Sein Kommen ist von allen Propheten und auf vielfache Weise voraus­gesagt worden – auch hier, in diesem Bibelwort: „Der Herr tröstet sein Volk und erbarmt sich seiner Elenden“, heißt es da. Wie ein wohltätiger Arzt erbarmt sich Gott über die an Sünde erkrankte Menschheit und sorgt durch Jesus für Abhilfe. Das ist nicht nur eine Tröstung – so, wie wenn man einem Trauernden ein auf­munterndes Wort sagt – sondern das ist echter, wirksamer Trost: Deine Sünde reißt dich nicht ins Verderben, sondern du wirst von ihr geheilt. Allerdings: Wenn auch Jesus die Sünden ganz und vollständig vergibt, so braucht doch die Heilung ihre Zeit, bis die schlimmen Folgen der Sünde nachlassen. Aber überall da, wo Menschen mit vergebenen Sünden im Vetrauen auf Jesus leben, da zeigt sich bei ihnen mehr oder weniger deutlich, wie das Sünden­dunkel zurück­weicht und Liebe an seine Stelle tritt. Mit Jesus sind wir auf dem Weg zur Besserung, mit Jesus sind wir auf dem Weg zum Himmel, wo dann nichts mehr von der Sünden­krankheit nachbleiben wird, auch nicht das kleinste Bisschen.

Weil das so ist, haben wir Grund zum Jubeln – auch wenn uns noch viel Elend vor Augen steht, auch wenn wir noch manche Leiden und Schmerzen zu tragen haben. Dieser Grund ist der, dass Jesus unser Heiland geworden ist. So hat schon der Prophet Jesaja es begründet: „Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.“ Amen.

Diese Predigt wurde erstmals gehalten im Jahre 2007.

Autor: Pastor Matthias Krieser

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